In einem Projekt entsteht etwas, das in genau dieser Form noch nie da gewesen ist. Der Weg ist nicht vorgezeichnet und damit mit Risiken verbunden. Auch dort, wo man in grossen Teilen auf Bekanntes zurückgreifen kann, haben Vorhaben innovativen Charakter.

Projekte durchlaufen bestimmte Phasen. Erstrebenswert ist, dass die Lernenden eigene Ideen haben und die Projekte mehr oder weniger selbständig realisieren. Für die Unterstützung der jeweiligen Phasen werden einzelne Instrumente eingesetzt.

Projekte, oder auch längere selbständige Lernaufträge laufen immer nach gleichen Phasen ab (vgl. Projektschema). Im Rahmen dieser Phasen erhalten die Schülerinnen und Schüler fachliche Inputs und lernen bewährte Methoden (graue Kästchen) des Projektmanagements kennen und anwenden.

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Das Projektmanagement dient der Steuerung des Projektprozesses. Es stehen Instrumente zur Verfügung, welche den Weg zum Ziel unterstützen und damit sicherer machen.

Die Meilensteine (im Schema mit Rhomben gekennzeichnet) dienen der Standortbestimmung oder auch dem Abschluss. Im Prozess wird innegehalten, um zu sehen, inwiefern die geplanten Ziele erreicht wurden und wo weiterer Handlungsbedarf besteht oder welche Massnahmen für ein nächstes Projekt anvisiert werden müssen. Selbstverständlich dürfen auch mehr Meilensteine gesetzt werden als in der grafischen Darstellung.

Bei Projekten in der Schule geht es darum, die Stärken der Lernenden zu fördern. Dabei überlegen sich die Schülerinnen und Schüler, in welchem Handlungsschwerpunkt sie ein Projekt durchführen wollen, wobei sich das Projekt mit anderen Handlungsschwerpunkten überschneiden kann. Folgende Handlungsschwerpunkte stehen dabei zur Auswahl: Organisieren und Konzipieren, Recherchieren und Dokumentieren, Erfinden und Fantasieren, Forschen und Entdecken, Konstruieren und Gestalten.

Im Projektunterricht hat die Lehrperson mehrere Rollen: Sie stellt den fachlichen Rahmen her und vermittelt den Lernenden Elemente bzw. Methoden des Projektmanagements. Die Lehrperson unterstützt den Prozess laufend durch formative Beurteilungen. Sie übernimmt zudem eine überwachende Funktion und greift zwingend ein, wenn das Projekt rechtliche Fragen aufwirft. Weiter ist es ihre Aufgabe, die Jugendlichen bei Themenwahl und Ausarbeitung des Projektes geschickt zu beraten. Die Lehrperson beurteilt das Projekt und honoriert wertschätzend die erbrachte Leistung.

Projektunterricht fokussiert laut Definition die Teamfähigkeit. Es lohnt sich deshalb, Übungen, projektartige Vorhaben, aber auch Projekte mit grösseren Gruppen (Minimalanzahl 3) zu bestreiten, damit die Lernenden im sozialen Lernen bezüglich Kooperation und Kommunikation dazulernen. Eine Einzelarbeit kann zum Abschluss der obligatorischen Schulzeit zeigen, inwiefern der oder die Lernende alleine ein Projekt von A bis Z durchführen kann.

Mit dem Konzipieren und Realisieren eines grösseren Projekts (Gruppenprojekt, Abschlussarbeit als Einzel- oder Partnerarbeit) ist viel Aufwand und meistens auch Herzblut verbunden. Deshalb haben die Jugendlichen ein Recht auf eine differenzierte Rückmeldung (Fremdbeurteilung). Gleichzeitig haben sie die Pflicht, die eigene Arbeit kritisch unter die Lupe zu nehmen und sich selbst einzuschätzen (Selbstbeurteilung). Fremd- und Selbstbeurteilung tragen dazu bei, dass sich die Jugendlichen ein realistisches Selbstbild aufbauen können, das für die persönliche Entwicklung wichtig ist.

Es empfiehlt sich, vor einer summativen Beurteilung stets formative Beurteilungen durchzuführen, damit die Jugendlichen eine Orientierung erhalten. Die formative (förderorientierte) Beurteilung steht im Mittelpunkt des ganzen Prozesses. In ihrer begleitenden Funktion unterstützt die Lehrperson durch wiederkehrende förderorientierte Beurteilungssituationen den Prozessverlauf. Abschliessend an formative Beurteilungen findet mit der Abgabe eines Projekts (Gruppenprojekt, Abschlussarbeit) eine summative Beurteilung statt. Es ist wichtig, dass bei jeder Beurteilung (formativ, summativ oder prognostisch) der Prozess, das Produkt und die Präsentation miteinbezogen werden.

Folgende Grundsätze sollten bei einer summativen Beurteilung beachtet werden:

1. Die Beurteilung im Projektunterricht soll wenn immer möglich Beurteilungskriterien zu Prozess, Produkt und Präsentation beinhalten.

2. Die Beurteilungskriterien sollen den Lernenden zu Beginn eines Gruppenprojekts oder einer Abschlussarbeit im Sinne der Transparenz kommuniziert werden.

3. Die Beurteilung bzw. Bewertung kann neben einer Note in Ziffern auch eine schriftliche Rückmeldung sein. Es empfiehlt sich, auf jedes benotete Projekt ein Beurteilungsgespräch (mündliche Rückmeldung) folgen zu lassen.

4. Die Beurteilung soll grundsätzlich nur das bewerten, was im Projektunterricht vorher, beispielsweise in einem projektartigen Vorhaben, geübt werden konnte. Hier empfiehlt es sich, den Lernenden bei vorhergehenden Übungen jeweils eine formative Beurteilung zu geben.

Für den Projektunterricht ist es wichtig, mit kleinen Schritten zu beginnen, damit Erfolge erlebbar werden. Dies erfolgt mittels Aufbau in Form von Übungen, projektartigen Vorhaben und erst dann mit der Realisierung der eigentlichen Projekte (inkl. Abschlussarbeit). Die Lehrperson setzt anfänglich klare Rahmenbedingungen und gibt Unterstützung in verschiedenen Bereichen. Allmählich werden diese Angebote abgebaut und die Selbststeuerung und Selbständigkeit der Lernenden ausgebaut.

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