Ziel des Sprachenunterrichts ist nicht die perfekte Zweisprachigkeit, sondern die Ausbildung zur funktionalen Mehrsprachigkeit. Funktionale Mehrsprachigkeit strebt ein vielfältiges, dynamisches Repertoire mit unterschiedlich weit fortgeschrittenen Kompetenzen in verschiedenen Kompetenzbereichen bzw. Sprachen an, um in unterschiedlichen Situationen sprachlich erfolgreich handeln zu können. Schülerinnen und Schüler greifen beim Sprachenlernen auf bereits Gelerntes zurück und erweitern so ihr mehrsprachiges Repertoire effizient. Mehrsprachigkeit kann in allen Fachbereichen gefördert und genutzt werden. Zugleich kann durch die Zusammenarbeit von Lehrpersonen der Regelklassen mit Lehrpersonen des DaZ-Unterrichts und der Kurse in Heimatlicher Sprache und Kultur (HSK) die gezielte Sprachförderung koordiniert und verstärkt werden.

Vieles wird im Spracherwerb intuitiv gelernt oder automatisiert. Die Effizienz des Sprachenlernens wird gesteigert, wenn die Schülerinnen und Schüler befähigt werden, das Transferpotenzial zwischen den Sprachen bewusst zu nutzen: Wenn im Deutschunterricht bereits erarbeitet wurde, wie man unbekannte Wörter markiert und erschliesst oder einen Text vor dem Lesen überblickt, kann dieses Wissen im Fremdsprachenunterricht gezielt aktiviert werden. Umgekehrt findet eine Rückkoppelung von den Fremdsprachen zu Deutsch und anderen Erstsprachen statt. Im Fremdsprachenunterricht profitieren die Schülerinnen und Schüler zunehmend von Parallelen im Wortschatz (z.B. die Diskussion, la discussion, the discussion, la discussione).

Das Erlernen von Sprachstrategien unterstützt die Lehrperson, indem sie Vorgehensweisen erfahrbar macht und benennt. Zudem regt sie den Transfer des Gelernten auf Neues an. Der Vergleich zwischen Sprachen fördert somit das Verständnis für die eigene Sprache.

Zum bewussten Umgang mit Sprache gehört auch die Sensibilisierung für sprachliche Varietäten: nach Situation (z.B. formell/informell, mündlich/schriftlich) und geografisch (Deutsch in Frankfurt oder Wien; Französisch in Neuchâtel, Dakar, Paris oder Montréal; Englisch in London, Schottland oder Vancouver; Italienisch in Poschiavo, Lugano oder Palermo).

Die Beherrschung von Mundart und Standardsprache ist wichtig für die gesellschaftliche Integration und berufsspezifische Profilierung in der deutschsprachigen Schweiz. Auch Englisch und Französisch werden in verschiedenen Varietäten gesprochen. Fremdsprachenunterricht richtet sich nach einer Standardsprache, ermöglicht aber auch Begegnungen mit verschiedenen Varietäten.

In einer umfassenden, förderorientierten Beurteilung werden schriftliche Produkte, mündliche Beiträge, das Hörverstehen und das Lesen miteinbezogen. Als Grundlage dienen transparente, kompetenzorientierte Lernziele mit dazu gehörenden Kriterien. Eine Beurteilung, die so ausgerichtet ist, ermöglicht den Schülerinnen und Schülern zunehmend, über ihr eigenes Lernen nachzudenken und ihre Leistungen selber einzuschätzen (z.B. Portfolio, Lernjournal, Europäisches Sprachenportfolio).

Gezielte gegenseitige Beratungen und Rückmeldungen nutzen die vorhandenen Ressourcen in der Klasse (z.B. in Lernpartnerschaft, Peerbeurteilung). Das Qualitätsbewusstsein wird durch den Austausch gestärkt.

Fehler geschehen auf verschiedenen Ebenen. Die kommunikative Absicht steht immer vor der formalen Korrektheit. Fehler sollen für den Erwerbsprozess der verschiedenen Sprachen sinnvoll genutzt werden. Differenzierendes Korrekturverhalten passt sich den unterschiedlichen Lernsituationen an: Bei der Förderung des Sprechflusses wird zurückhaltend korrigiert, für die korrekte Sprachverwendung sind gezielte Korrekturen nötig. Orthographiekorrekturen entsprechen dem Lernstand, der Schreibaufgabe und dem Schreibprozess.

Fremdsprachenlernende bilden je nach Stand ihres Lernens ein spezifisches Sprachsystem aus: die Interimssprache oder Lernersprache (engl. Interlanguage, fr. interlangue, it. interlingua). Sie bezeichnet ein dynamisches Sprachsystem, das eigenen Regeln folgt. Typische Merkmale sind der Transfer aus der Erstsprache und weiteren Sprachen und falsche Analogiebildungen (z.B. Übergeneralisierung). Die individuell ausgeprägte Interimssprache entwickelt sich kontinuierlich auf die Norm der Zielsprache hin. Die dabei entstandenen Fehler können als Indikator des aktuellen Lernstands und somit als Lernchance genutzt werden.

Lernende mit Deutsch als Zweitsprache sind herausgefordert, Deutsch zu lernen und gleichzeitig im Schulalltag die erworbenen Deutschkompetenzen in unterschiedlichen Lernsituationen anzuwenden. Bei diesem Lernprozess können sich fehlerhafte formale Sprachmuster verfestigen, was zu einem Verharren auf tiefem Sprachniveau und schliesslich zu schulischem Misserfolg führen kann. Die Lehrpersonen achten bewusst auf den Spracherwerb der Lernenden mit Deutsch als Zweitsprache und unterstützen sie durch ein adäquates Korrekturverhalten mit dem Ziel, fehlerhafte Sprachstrukturen aufzubrechen und ein Gefühl für Sprachrichtigkeit zu entwickeln.

Viele der überfachlichen Kompetenzen haben direkt oder indirekt mit Sprache zu tun. Beim Aufbau methodischer Kompetenzen stehen die Sprachfähigkeit, das Problemlöseverhalten und das Nutzen von Informationen im Zentrum.

Bei den personalen Kompetenzen steht die Selbstreflexion im Mittelpunkt.

Beim Erwerb sozialer Kompetenzen stellen die Kooperations- und Konfliktfähigkeit sowie der Umgang mit Vielfalt die Schwerpunkte dar (siehe auch Grundlagen Kapitel Überfachliche Kompetenzen).

Die konstruktive und kritische Auseinandersetzung mit Medien bietet vielfältiges Potenzial für Lehr- und Lernprozesse beim Sprachhandeln, beim Sprachtraining und bei der Sprachreflexion.

Im Unterricht werden verschiedene Medien eingesetzt, damit die Schülerinnen und Schüler deren Vielfalt kennen und einschätzen lernen. Sie reflektieren dabei die Merkmale, den Sprachgebrauch und verschiedene Funktionen. Sie setzen Medien als Informationsquellen ein und verarbeiten diese. Im Sprachtraining setzen die Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Medien und Instrumente ein, um Sprachkompetenzen aufzubauen und zu vertiefen. Insbesondere beim inhaltlichen und sprachformalen Überarbeiten von Texten sind Medien hilfreich.

In der Interaktion innerhalb und ausserhalb der Schule lernen Schülerinnen und Schüler, E-Mails, Briefe und soziale Netzwerke einzusetzen (siehe auch Modullehrplan Medien und Informatik).

Im 1. Zyklus stellt das fokussierte Zuhören eine zentrale Kompetenz dar.

Mit Sprachspielen, Versen und Liedern bauen die Kinder spielerisch sprachliche Kompetenzen auf. Sie erwerben neue Begriffe und deren Bedeutung und üben einen situationsangemessenen Sprachgebrauch. In Rollenspielen vollziehen sie den Perspektivenwechsel.

Die Kinder lernen, sich in der Klasse sprachlich durchzusetzen oder zurückzunehmen und dabei Sprechregeln zu beachten. Sie erlernen das Lesen und Schreiben. Lesen- und Schreibenlernen gelingen, sobald das Interesse dafür da ist. Für den Schrifterwerb verfeinern sie ihre motorischen Fähigkeiten.

Im 1. Zyklus ist es wichtig, vielfältige Erfahrungen mit der eigenen und anderen Sprachen zu sammeln, um das Sprachgefühl zu verfeinern. Zunehmend denken die Kinder über diese Erfahrungen nach und werden sich ihrer Strategien immer mehr bewusst.

Schülerinnen und Schüler begegnen Kindern mit anderen Sprachen und Kulturen und werden dadurch für sprachliche und kulturelle Vielfalt sensibilisiert (siehe auch Grundlagen Kapitel Schwerpunkte des 1. Zyklus).

Viele Kinder, die in ihrer Familie eine andere Sprache sprechen als Deutsch, kommen mit geringen Deutschkenntnissen in den Kindergarten. Im 1. Zyklus ist eine gezielte Förderung des Deutschen als Zweitsprache – eingebettet in Alltagssituationen – besonders wichtig.

Die meisten Kinder bringen bereits Erfahrungen mit Mundart und Standardsprache mit. An diesen Erfahrungen knüpft die Volksschule an, um beide Sprachformen spielerisch zu erproben, das vorhandene Interesse an Sprachen zu verstärken sowie Gebrauch und Funktion von Mundart und Standardsprache zu reflektieren. Im Deutschunterricht lernen die Schülerinnen und Schüler, Mundart und Standardsprache situationsangepasst, kreativ, sorgfältig und sprachlich korrekt anzuwenden.

Kinder nichtdeutscher Erstsprache bringen je nach ihren ausserschulischen Spracherfahrungen keine oder nur wenige Erfahrungen mit Mundart und Standardsprache mit. Sie lernen Deutsch als Zweitsprache in beiden Varietäten: Mundart und Standardsprache. Die Lehrpersonen unterstützen die DaZ-Lernenden durch einen bewussten Umgang mit Mundart und Standardsprache sowie deren Wortschatz und Grammatik. Im ergänzenden DaZ-Unterricht wird das Lernen von Standardsprache gefördert.

Im Unterrichtsalltag sind die vier Sprachhandlungen Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben selten isoliert, sondern ineinander verschränkt. So gehören zum Dialog das Sprechen und das Zuhören. Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihren Wortschatz rezeptiv, indem sie die Bedeutung von Wörtern aus dem Kontext erschliessen, und produktiv, indem sie Wörter und Wendungen angemessen zu verwenden suchen.

Können die Schülerinnen und Schüler einen Hör- oder Lesetext nachspielen, nacherzählen, zusammenfassen oder in einer anderen Form verarbeiten, zeigt sich das Verständnis auf unterschiedlichen Ebenen.

Vielfältige mündliche Situationen ermöglichen den Aufbau verschiedener Register. Wichtige Elemente für sicheres Auftreten und Präsentieren sind eine adressaten-gerechte Sprachform, der passende Einsatz der Stimme und der Blickkontakt.

In der Interaktion mit einem Gegenüber werden die aufgebauten Hörkompetenzen genutzt. Z.B. kann auf para- und nonverbale Signale reagiert werden, indem nachfragt oder in eigene Worte gefasst wird.

Die Schülerinnen und Schüler reflektieren regelmässig das Hör- und Präsentations- bzw. Gesprächsverhalten.

Die Schülerinnen und Schüler erwerben grundlegende Lesefähigkeiten und trainieren diese; sie lernen zunehmend, komplexere Texte zu verstehen und werden animiert, eigene Leseinteressen zu entwickeln. Durch ein breites Angebot werden diese unterschiedlichen Leseinteressen und -leistungen bedient.

Schreiben nimmt im Sprachhandeln eine besondere Stellung ein. Im Zentrum des Unterrichts stehen der Schreibprozess und die Schreibprodukte. Die Schülerinnen und Schüler lernen, wie sie Ideen finden, den Schreibprozess planen, Texte formulieren und diese inhaltlich und sprachformal überarbeiten.

Je nach Schreibsituation, Absicht und Textsorte werden die Schwerpunkte verschieden gesetzt: z.B. auf inhaltliche Verständlichkeit, sprachliche Ausgestaltung oder formale Korrektheit.

Im Schreibprozess arbeiten die Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Konstellationen zusammen. Beim Überarbeiten können die Sichtweisen der Mitschülerinnen und Mitschüler oder der Lehrperson helfen, die Qualität eines Textes zu steigern.

In Sprache(n) im Fokus bauen Schülerinnen und Schüler Wissen über Sprache auf. Sie sammeln, ordnen und kategorisieren sprachliche Phänomene und stellen Vermutungen über zugrundeliegende Regeln an. Zudem eignen sie sich Grammatikbegriffe und Rechtschreibregeln an.

Zu frühe Abstraktion und zu frühes Einfordern von grammatischen Begriffen und Rechtschreibregeln beeinträchtigen sprachliches Lernen. Normverstösse sind im Erwerbsprozess üblich und können fürs Lernen genutzt werden. Sprachliche Normen werden aber von Beginn an thematisiert, denn nur wer die Norm als Zielgrösse kennt, kann sie auch anstreben.

Im Laufe der Schulzeit bauen die Schülerinnen und Schüler ein Repertoire auf, um über den Sprachgebrauch (z.B. geschlechtergerechte Sprache, Anredeformen, mündliche und schriftliche Varietäten wie SMS und Chat, Gebrauch von Fachausdrücken) und über Sprachstrukturen (z.B. Wort- und Satzbau) nachzudenken. Die Reflexionsformen und die dafür nötigen Begriffe sind dem Lernalter und Leistungsvermögen angepasst.

In Literatur im Fokus erleben die Schülerinnen und Schüler Sprache als bewusst gestaltetes Produkt, das eigenes Sprachschaffen inspirieren kann. Sie erhalten Raum, in vielfältige literarische Texte aus verschiedenen Sprach- und Kulturräumen einzutauchen (z.B. Kinder- und Jugendliteratur, Comic, Hörbuch, DVD, Theater) und sich unterschiedlich damit auseinanderzusetzen:

  1. Auseinandersetzung mit literarischen Texten: Literarisches Verstehen wird durch einen kreativen Umgang mit dem Text bzw. eine Anschlusskommunikation unterstützt (z.B. eigene Stimmung wahrnehmen, innere Bilder entwickeln, literarisches Gespräch). Dabei entwickeln die Schülerinnen und Schüler einen eigenen Lesegeschmack.
  2. Auseinandersetzung mit verschiedenen Autorinnen und Autoren und verschiedenen Zeiten, Sprach- und Kulturräumen: Literarische Texte sind von Autorinnen und Autoren in ihrer Zeit und in ihrem spezifischen Umfeld geschrieben worden. Das Wissen über Autorinnen und Autoren und deren kulturelle und historische Hintergründe bietet viele Verstehensansätze und ermöglicht ein breites Verständnis eines literarischen Textes.
  3. Literarische Texte: Beschaffenheit und Wirkung: Sie sind speziell gestaltet. Diese Gestaltung ist ebenfalls wichtig für das Verständnis der Texte.

Die Schülerinnen und Schüler lernen, in einer persönlichen Handschrift leserlich und geläufig zu schreiben. Zu Beginn werden die Buchstabenformen eingeführt, die zur teilverbundenen Schrift weiterentwickelt werden. Darauf aufbauend entwickeln die Schülerinnen und Schüler eine persönliche Handschrift. Sie werden vom 1. Zyklus an für eine günstige Körperhaltung und optimale Abläufe des Schreibprozesses sensibilisiert.

Die Schülerinnen und Schüler lernen, die Tastatur effizient zu nutzen. Sie lernen von Beginn an, auf eine ergonomische Platzierung der Finger und Hände zu achten. Im 2. und 3. Zyklus bietet sich die individuelle Schulung mittels geeigneter Tastaturschreib-Lernprogramme zum eigenständigen Lernen im Rahmen von offenen Unterrichtsformen an. Die blinde, perfekte Beherrschung der Tastatur zu erwerben ist nicht Ziel der Volksschule.

Die Schülerinnen und Schüler erwerben und entwickeln im Fremdsprachenunterricht kommunikative Fertigkeiten in den Bereichen Hören, Lesen, monologisches und dialogisches Sprechen, Schreiben sowie in der Sprachmittlung, wo sie Inhalte sinngemäss von einer Sprache in eine andere übertragen.

Schülerinnen und Schüler werden befähigt, sprachliche Fertigkeiten in unterschiedlichen, möglichst authentischen Situationen anzuwenden. Interessante Inhalte und Sachthemen aus der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler bilden die Basis für sprachliches Handeln. Für den kontinuierlichen Aufbau der fremdsprachlichen Kompetenzen wird an das Anspruchsniveau und die Lernbedürfnisse der Schülerinnen und Schüler angeknüpft.

Für die erfolgreiche Bewältigung der kommunikativen Lernaufgaben benötigen die Lernenden entsprechende sprachliche Mittel. Systematische Arbeit an Wortschatz, Aussprache, Grammatik und Rechtschreibung sowie die Reflexion darüber sind im Kompetenzbereich Sprache(n) im Fokus beschrieben. Die Arbeit an diesen Kompetenzen ist nicht Selbstzweck, sondern dient in erster Linie der kommunikativen Handlung.

Zu Beginn erleben und erfahren Schülerinnen und Schüler die angewendeten sprachlichen Mittel noch ohne explizites Regelwissen. Zunehmend erkennen sie aufgrund von Erfahrungen, Beobachtungen und Vergleichen Strukturen und Gesetzmässigkeiten und erschliessen allgemein gültige Regeln. Auf dieser Basis kann im 3. Zyklus aufgebaut werden.

Grundsätzlich erfolgt der Fremdsprachenunterricht in der Zielsprache. Die Schülerinnen und Schüler brauchen einen möglichst grossen Input und ein reiches sprachliches Umfeld, um Fremdsprachen zu lernen. Sie sollen oft Gelegenheit erhalten, diese Sprachen zu hören und aktiv zu gebrauchen. So werden auch die Klassenführung (gestion de la classe, classroom management, gestione della classe) in der Zielsprache gestaltet und der Wortschatz von Anfang an aufgebaut. Allerdings dürfen die Schülerinnen und Schüler am Anfang nicht überfordert werden. Kommunikationsblockaden erschweren das Lernen. Deshalb gilt der Grundsatz: So viel Fremdsprache wie möglich, so wenig Deutsch wie nötig. Im Anfangsunterricht können Anleitungen und reflexive Phasen in Deutsch erfolgen. Mit steigender Kompetenz der Schülerinnen und Schüler nimmt der Gebrauch der Fremdsprache zu.

Im Fremdsprachenunterricht lernen Schülerinnen und Schüler verschiedene Lebensverhältnisse und Kulturen von Menschen der Zielsprache kennen. Dies weckt das Interesse und begünstigt einen positiven Zugang zur Zielsprache und Kultur.

Der Erwerb von Fremdsprachen geht einher mit der Reflexion über Sprache und einer Sensibilisierung für sprachliche Vielfalt. Die Schülerinnen und Schüler schärfen ihre Wahrnehmung und entwickeln eine Bewusstheit für Sprachen, indem sie diese analysieren, sprachliche Aspekte entdecken und ordnen. Sie nutzen Synergien, indem sie Zusammenhänge und Unterschiede zwischen verschiedenen Sprachen erkennen. Dadurch können sie Offenheit für andere Sprachen sowie Interesse an der Beschäftigung mit Sprache entwickeln. Bewusstes Erfassen und Vergleichen sprachlicher Phänomene erhöht die Einsicht ins Funktionieren von Sprache und verbessert die Sprachkompetenz.

Begegnungen und Kontakte mit Menschen, welche die Zielsprache als Erstsprache sprechen, bieten Gelegenheit, die Sprache in authentischen Situationen zu gebrauchen. Verschiedene Austauschaktivitäten wie Exkursionen ins Zielsprachgebiet, virtuelle Kommunikation, Einzel- oder Klassenaustausch ermöglichen eine reale Verwendung der gelernten Sprache. Der direkte Kontakt zu Sprecherinnen und Sprechern der anderen Sprachregion fördert darüber hinaus das interkulturelle Verständnis und kann die Motivation für das Lernen nachhaltig stärken.

Sowohl im bilingualen als auch im immersiven Unterricht findet Fachunterricht in der Zielsprache statt. Dabei werden Fachkenntnisse vermittelt, wie wenn in Deutsch unterrichtet würde. Während die Lehrperson im bilingualen Unterricht einen expliziten Bezug zu Deutsch und der Zielsprache herstellt, wird im immersiven Fachunterricht die Zielsprache implizit mitgelernt. Gelingensbedingungen für beide Unterrichtsformen sind hohe Sprachkompetenzen der Lehrpersonen und geeignete Lernmaterialien.

Unterricht in der Fremdsprache kann durch Phasen bilingualen Unterrichts ergänzt werden. Diese können verschiedene Formen und Ausprägungen annehmen und je nach Ressourcen und Potenzial der Lehrpersonen verschieden gestaltet werden. So können kürzere oder längere Unterrichtseinheiten eingeplant werden oder bilingualer Unterricht kann sich über mehrere Wochen ausdehnen. Die Lehrperson kann die bilinguale Sequenz selber oder im Sinne eines fächerübergreifenden Unterrichts im Teamteaching erteilen.

Der Lehrplan für Italienisch als 3. Fremdsprache lehnt sich in der Struktur und den zu erreichenden Kompetenzen an die 1. und 2. Fremdsprache an. Wesentliche Unterschiede betreffen den Beginn in der 3. Klasse der Sekundarschule und den fakultativen Status1. Die Lehrpersonen haben die Freiheit, den Lehrplan klassengerecht und situativ einzusetzen. Neben der Vermittlung von Sprachkompetenzen steht das Ziel im Vordergrund, der hohen Motivation der Schülerinnen und Schüler, die sich freiwillig engagieren, gerecht zu werden und die Freude an der Sprache und am Sprachenlernen ins Zentrum zu stellen.

1Italienisch kann von Kindern und Jugendlichen mit italienischer Erstsprache auch im fakultativen Unterricht in Heimatlicher Sprache und Kultur (HSK) gelernt werden.

Die bewusste Aktivierung des Vorwissens, der Transfer, die Anwendung von bekannten Strategien, der ökonomische und selbstständige Lernprozess haben als Prinzipien der Didaktik der Mehrsprachigkeit im Italienischunterricht einen hohen Stellenwert.

Zudem hilft die Anwendung der Didaktik der Mehrsprachigkeit den Schülerinnen und Schülern, Italienisch im Gesamtkontext des (Fremd-)Sprachenlernens zu begreifen, die in den anderen Fremdsprachen erworbenen Kenntnisse aktiv zu nutzen, mit der neuen Sprache zu verknüpfen und Italienisch als gewinnbringendes Fach zu erleben.